Vom «Werkzeug» zum allumfassenden Anspruch, so könnte man das sich mittlerweile fast im Wochentakt verändernde Verständnis der Künstlichen Intelligenz (KI) am Jahresbeginn 2026 charakterisieren. Was also können wir nun, privat wie beruflich in diesem Jahr erwarten? Was kommt 2026 auf uns zu?

KI Anfang 2026: Ein erster Überblick

Hatte man noch vor Jahresfrist geglaubt, man hätte mit KI ein «cooles Werkzeug» gefunden und könne es nun beruflich wie privat an vielen Fronten nutzbringend einsetzen, so weisen am Beginn des Jahres 2026 sehr viele Fachleute und Branchen-Informationsdienste auf den extremen Grad hin, mit dem KI sämtliche Arbeits- und Lebensbereiche verändert, sehr oft, ohne dass wir etwas davon merken.

Dies geht so weit, dass allen Ernstes von Fachleuten Überlegungen darüber angestellt werden, ob sich unsere menschliche Selbstbestimmung, beispielsweise in der Schweizer Demokratie, und unsere bisherigen weltanschaulichen Überzeugungen «in den Händen von KI» nicht geradezu selbst abschaffen.

Die Versprechen, die wir fast täglich erhalten, stehen in krassem Gegensatz zu den Befürchtungen, denen sich Unternehmer wie Privatleute täglich ausgesetzt sehen. KI scheint zunehmend mehr als eine fundamentale technische Revolution, ja sogar als soziale Umwälzung wahrgenommen zu werden, die in unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und in unsere Politik eingreift.

Doch bevor wir einen Blick in die Zukunft tun können, ist es ratsam ein wenig zurückzusehen: Es geht um den Einfluss, den Kommunikationsmedien und die technische Entwicklung allgemein und KI im Besonderen momentan auf unser Leben haben.

Ein kurzer Blick zurück

Die letzten technischen Revolutionen vollzogen sich noch in verhältnismässig langsamer Geschwindigkeit: So vollzog sich in der Mikroelektronik (deren aktiver Teil der Autor damals war) beispielsweise der Umstieg von elektronischen Schaltungen, die aus einzelnen Bauteilen bestanden, hin zu integrierten Schaltkreisen, in denen alle elektronischen Komponenten auf einem Chip vereinigt waren, in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts innerhalb von knapp einem Jahrzehnt.

Bekannte Beispiele sind: Ein Kofferradio der mittleren 70er Jahre bestand noch aus Platinen und einzelnen («diskreten») Bauteilen und viel Mechanik. Ein anderes Beispiel: Ein elektrisches Uhrwerk bestand noch aus vielen einzelnen Kleinteilen und erst nach und nach übernahm der Schwing-Quartz die Rolle der «Unruh», also des Taktgebers. Zudem wurden die elektronischen Einzelteile in einen «Integrierten Schaltkreis» integriert.

In den frühen 80er Jahren entwickelten Firmen im deutschen Schwarzwald (z.B. Junghans in Schramberg) erste Funkuhr-Modelle mit integrierten Schaltkreisen, und so war der Weg zu Armbanduhr auf Funkuhr-Basis geebnet: Man trug wörtlich die Zeit am Arm. Die Fortschrittsgläubigkeit war damals unendlich gross.

«Virtuell»: Unser Verhältnis zur Welt

Eine solche Funkuhr zu tragen und zu nutzen, veränderte noch nicht unser Verhältnis zur Welt und zur Arbeit. Aber die darauffolgende Computerisierung, privat wie am Arbeitsplatz, tat es: Eine wirklich extreme Steigerung von Chip-Leistungen und Speicherkapazität ermöglichte eine immer stärkere Verschiebung produktiver Aufgaben bei der Arbeit, aber auch neue Unterhaltungselektronik für die Freizeit. Schon damals setzte die industrielle Arbeit den technischen wie sozialen Standard auch für die «normale» Lebenswelt.

Hatte schon früher das Fernsehen und die aufkommende Unterhaltungselektronik unser Verhältnis zur Welt verändert, so tat es das Ende der 90er Jahre einsetzende Internet auf geradezu revolutionäre Weise.  Die Einführung des Smartphones rund um das Jahr 2007 war dabei ein Quantensprung. Und die damit einsetzende überwältigende Bedeutung der «sozialen Medien» veränderte nahezu jeden Aspekt unseres Soziallebens – gerade auch ausserhalb der Social-Media-Kontexte.

Erst jüngst haben die negativen Auswirkungen von Social-Media-Missbrauch zu starken Veränderungen im Schweizer Strafrecht geführt, Stichworte sind Cybermobbing, Cyber-Grooming und durch Social Media verstärktes Stalking, und sie beschäftigen seit fast einem Jahrzehnt sowohl den Nationalrat als auch die Bundesregierung.

Kurz: «Die Welt» ist vielen von uns virtuell – also irgendwie «nicht ganz real» – geworden, und gerade in den Social Media ist etwas pauschal formuliert Vieles «nicht echt».

«Künstlich»: Das Verhältnis zu uns selbst

Die wirkliche Revolution, die jetzt – am Beginn von 2026 – durch die Massenverbreitung von KI kommt oder gerade in vollem Gange ist, verändert nun aber nicht nur unser Verhältnis zur Welt, zur Arbeit und zur Freizeit, sondern sie scheint auch das Verhältnis zu uns selbst, unser Sozialleben und Ich-Verständnis, verändern zu können. Noch mehr: Es könnte sein, dass sie sogar unsere Körper verändert. Das klingt fast abwegig, aber Spezialisten – auch in der Schweiz – gehen davon aus, zumindest, was unser Gehirn anbetrifft.

Offensichtlich verändert sich durch die Nutzung von KI nämlich sowohl unser Gehirn, worauf die Schweizer Hirnforscherin Dr. Barbara Studer und andere Forscher immer wieder hinweisen, sondern auch unser Sozialleben.

Die Serie «Einstein» des SRF hat, in Zusammenarbeit mit der Schweizer Neurologin Barbara Studer, darauf kürzlich hingewiesen. Angelehnt an eine Studie des Massachusetts Institute of Technology MIT zeigte «Einstein» mit einem Schreib-Experiment, welchen Effekt KI auf unser Gehirn hat: Unsere Denkleistung wird unter Nutzung von KI circa 15-mal weniger aktiviert, wie wenn wir einen Aufsatz analog schreiben.

Eine Reihe von weiteren Schweizer Forscherinnen und Forschern raten deshalb zu einem wenn kontrollierten und überlegten Umgang mit KI:

«Unser Gehirn denkt gern», so der emeritierte Professor für Neuropsychologie, Dr. Andreas Monsch, «es lebt von eigener Aktivität. Deshalb sollten wir KI nur dort einsetzen, wo sie unterstützt, nicht wo sie uns das Denken abnimmt.»

Der langjährige Leiter der «Memory Clinic in der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER» in Basel kann dabei auf über 4 Jahrzehnte eigene Arbeit zu diesem Thema zurückblicken.

Und Dr. Maria Brasser, eine Neurowissenschaftlerin und Lehrerin in Chur, merkte erst kürzlich hierzu an, dass «Neue Ideen im Gehirn entstehen. Kinder und Jugendliche brauchen Raum zum Ausprobieren, Entscheiden und Fehler machen – das kann kein Algorithmus übernehmen.»

KI ist weit mehr als ein Werkzeug

Sehr häufig hört man in privaten wie in KMU-Kreisen, KI sei «einfach ein cooles Werkzeug». Doch «es» ist weit mehr.

Angesichts der tatsächlichen technischen und politischen Fakten könnte man dies nämlich als «beschönigende Rede» bezeichnen: Wenige sehr grosse Plattformen (allen voran Google, aber auch Microsoft und wenige andere) dominieren technologisch und finanziell das Geschehen. Weltweit und alles durchdringend.

Technologien, die KI enthalten, stehen in fast allen IT-Anwendungen mittlerweile im Zentrum. Samsung und Google gehen gerade in diesen Wochen eine Kooperation ein, die KI auch in Kühlschränke bringt. Dies ist auch eine Auswirkung des «Internet of Things» (IoT), das schon heute weit mehr «Dinge» (zum Beispiel Kühlschränke, Maschinen und Steuergeräte) mit den grossen Serverfabriken der grossen Anbieter verbindet, als Personen und Unternehmen untereinander.

Diese «Dreh-und-Angel-Funktion» von KI betrifft also nicht nur Bürosysteme wie «Microsoft 365», sondern auch die Betriebssysteme dieses Herstellers: Das heutige Windows 11 wird im Kern von einem KI-System kontrolliert, was bedingt, dass auch der private Laptop zum Teil «von aussen» transparent ist. Dieser Artikel ist – unvermeidlicher Weise – auf solch einem PC verfasst.

Und auch hierüber sind die anerkannten Fachleute sich einig. Dabei formulieren sie deutlich:  

So zum Beispiel Johannes Beus von der Internet-Überwachungs-Agentur «sistrix» in Bonn (DEU), der die Wirkung der äusserst umfassenden KI-Strategien einiger weniger diese Technologie dominierenden Grossfirmen wie folgt zusammen:

«Plattformen dominieren unser Leben: Google hat über 90 Prozent Marktanteil in der Suche, Amazon alleine macht mehr als 50 Prozent des E-Commerce in Deutschland aus… Ich arbeite seit über 10 Jahren an der Aufgabe, Transparenz und Chancengleichheit in die Welt der Plattformökonomie zu bringen.»

Auf allen Ebenen betroffen: KMU

Während viele KMU unausweichlich, aber auch mit grossem Nutzen, KI einsetzen (es ist eben «ein cooles Werkzeug»), sind einige Kernbereiche der Unternehmen, zum Beispiel in der Unternehmenskommunikation, in herausfordernder Weise betroffen.

Auch hier wieder die Fachleute: Roger Basler ist einer der führenden «KI-Weisen» der Schweiz ( https://rogerbasler.ch/ ). Er sagte vor kurzem:

«Die Zeiten, in denen eine Website nur für sich funktioniert hat, sind vorbei. Heute müssen wir uns gesamtheitlich Gedanken machen, wie unsere Webseiten, Apps und andere Instanzen dienen können, an Kunden – bestehende und neue – zu kommen und wie wir diese mit digitalen Services ans Unternehmen binden können.»

Und weiter: «Die Digitalisierung betrifft KMU genauso wie selbständige Personen. Deren Geschäftsmodelle wandeln sich aufgrund von verändertem Kundenverhalten.»

Wie also sind die KMUs wirklich von KI betroffen? Welche Chancen bieten sich jeweils? Und wie werden – aktuelle – die Geschäftsmodelle darauf hin angepasst?

Doch es geht noch deutlich weiter, wenn wir einen Blick auf den Einfluss werfen, den KI schon heute und in der nahen Zukunft auf unser Privatleben haben könnte.

«AI Companions» und «Synthetische Emotionen»

Wir reden zum Beispiel über «AI Companions», das sind «virtuelle Gegenüber», die sich verhalten, als wären sie menschliche Vertraute.

«Mit unserer AI Companion-App können Sie über alles chatten, was Ihnen auf dem Herzen liegt, und sich so die Last von der Seele nehmen»

So wirbt Google für eine App, die ein KI-betriebenes «Gegenüber» anbietet.

Die Schweizer Gesetzgebung ist diesem Phänomen noch nicht wirklich auf der Spur. Doch der europäische «EU AI Act» und scheinbar auch Schweizer Regulatoren (dem gehen wir zur Zeit nach) prüfen verschärfte eine Kennzeichnungspflichten für «synthetische Emotionen» (Quelle: «Technology’s Legal Edge, 2025» der EU).

Die Idee dahinter ist, dass jede Interaktion mit einem KI-Companion mit einem Hinweis versehen werden müsste: „Dies ist keine echte Empathie.“

Doch wenn Nutzer ständig daran erinnert werden, dass sie mit einem Bot sprechen, bricht die Involvierung der Nutzerinnen und Nutzer (man spricht von «Immersion», also «Eingetaucht-Sein») – und damit die Zahlungsbereitschaft – zusammen. Unwahrscheinlich, dass sich hier noch legale Mittel rechtzeitig vor der gesellschaftlichen Brems-Wirkung durchsetzen lassen. Denn dieser Trend wird unsere Gesellschaft massiv verändern.

Doch es kommt noch «besser».

Einfluss von KI auf politische Entscheidungen?

Denn KI-gesteuerte Technologien scheinen zunehmend mehr Einfluss auf unsere politischen Entscheidungen nehmen zu wollen, und verstärkt werden dazu Fake-Profile und Deepfake aller Art eingesetzt. Und die Frage ist, ob wir dem allem mit den bisherigen Mitteln der Rechtsverfolgung überhaupt noch beikommen. Oder müssen wir auch in der Schweiz «Politik neu denken»?

Das Schweizer «Digitaljournal» sagt dazu: «In unserer digitalisierten Welt spielt Künstliche Intelligenz (KI) mittlerweile eine zentrale Rolle – auch in der politischen Meinungsbildung. In der Schweiz wirft dieser Einfluss zunehmend Fragen zur Demokratie auf: Können Algorithmen unsere politische Meinung verzerren? Welche Risiken entstehen? Und wie kann man dem entgegentreten?»

(Quelle: https://www.digitaljournal.ch/2025/11/ki-in-der-demokratie-chancen-risiken.html )

Das wird natürlich auch im Nachbarland Deutschland und dort sogar von staatlicher Seite aus thematisiert:

«Die Rolle von KI in der Politik ist vielschichtig und entwickelt sich ständig weiter. Während KI das Potenzial hat, die politische Kommunikation und die Wählerinteraktion zu revolutionieren, müssen gleichzeitig ethische und regulatorische Fragen geklärt werden, um die Integrität demokratischer Prozesse zu gewährleisten.

Die Diskussion über den verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Politik wird in den kommenden Jahren von entscheidender Bedeutung sein». Soweit die staatliche bundesdeutsche «Bundeszentrale für Politische Bildung».

(Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/kuenstliche-intelligenz-2023/541497/ki-und-demokratie-entwicklungspfade/ )

Doch damit ist noch nicht genug: Führende Medien, auch der SRF in der Schweiz, aber auch eine Reihe von hervorragenden Universitäten beobachten einen Trend, den man als «Gottesersatz durch KI» bezeichnen könnte.

Wird KI «ein Gott»?

Dr. Christoph Heilig, (der Name lautet wirklich so, obwohl er Programm zu sein scheint) ist Leiter der Nachwuchsforschungsgruppe „Focalization in Early Christian Stories“ an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der LMU. Er veröffentlichte vor kurzer Zeit Folgendes:

«Es ist (bei KI; der Autor.) die Rede von einer Superintelligenz, von Allwissenheit und Allmacht. In der Theologie gibt es einen großen Erfahrungsschatz, wie solche Kategorien missbraucht werden können, aber auch wie sich konstruktiv darüber nachdenken lässt.»

Der «Diskurs», also wie wir über KI reden, scheint sich global dahingehend zu verändern, dass wir der Künstlichen Intelligenz nicht nur menschliche, sondern übermenschliche Eigenschaften zuschreiben. Dies war auch wiederholt Gegenstand von Beiträge im SRF.

Doch nicht nur wie wir über den eventuellen «Ersatz-Gott» KI reden, könnte zu einer Vergötterung dieser technologischen Revolution KI führen. Sondern es ist die Realität dieser Revolution, die unser Verhältnis zu der Welt, in der wir leben, in dem nun angebrochenen Jahr 2026 verändern wird.

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