Jede dritte Ehe in der Schweiz ist binational. Viele Paare hierzulande sprechen nicht die gleiche Muttersprache. Vier Personen erzählten vor kurzem dem Online-Magazin «20 Minuten», ob und wie das ihre Beziehung beeinflusst. Aber das ist nur ein winziger Teil der «Spitze des Eisbergs».

Etwas über ein Drittel der Ehen, genau sind es 36%, in der Schweiz sind binational. Dies veröffentlichte vor kurzem der «Verein binationaler Partnerschaften und Familien» (kurz: IG Bi-National; Website: https://ig-binational.ch/ ). Er kümmert sich um die Anliegen dieser grossen Personengruppe in der Schweiz.

Die Partner und Partnerinnen solcher binationalen Ehen haben oft verschiedene Muttersprachen, etwa Spanisch und Deutsch. Oft sprechen solche Paare aber untereinander eine gemeinsame Fremdsprache. Und in einer überwiegenden Zahl der Fälle ist diese «zweite Schweizer Sprache» nicht Französisch, sondern Englisch. Es ist damit eine Sprache die nur wenige als ihre Muttersprache ansehen können, selbst dann nicht, wenn sie diese gut oder sogar sehr gut können oder sie besonders im Beruf sehr häufig benutzen.

Die offiziellen Zahlen des Bundesamtes für Statistik bestätigen diese Angaben: In allen, auch den romanischen Sprachgruppen der Schweiz ist – nach den jeweils vorherrschenden Sprachen Deutsch, Französisch oder Italienisch – ist Englisch die meistgesprochene Sprache. Der Anteil schwankt zwischen 33 Prozent und 45 Prozent.

Zweite Sprache – Fremde Sprache?

Die Diskussion um eine verpflichtende Zweitsprache in der Schweiz bekommt vor diesem Hintergrund eine andere Färbung. Aber die damit verbundenen Umstände schaffen – neben den grossen Chancen der Internationalität – auch eine Menge Probleme: Emotionale Ausdrücke fallen einem in der Muttersprache meist leichter. Eine Sprachumstellung nach dem Kindesalter ist später schwierig, aber – so der Autor aus eigener Erfahrung – nicht unmöglich.

Auch ist die Integration für nicht-einheimische Partner ist wegen des Schweizer Dialekts oft eine Hürde. Dies vor allem deshalb, weil es sich beim Schwyzerdütsch, nach Auffassung Vieler, gar nicht um einen Dialekt handelt, der vom sich vom heutigen «Hochdeutsch» ableitet, sondern um eine eigene Sprache. Dazu kommt noch, dass es sich in den einzelnen Regionen stark unterscheidet.

Schwyzerdütsch hat eben ganz verschiedene Ausprägungen (Zum Beispiel Bärndütsch, Walliser Dütsch, Züridütsch und andere), die sich zum Teil erheblich unterscheiden: Bärndütsch zum Beispiel hat einige Ähnlichkeiten mit dem in Deutschland völlig vergessenen Mittelhochdeutsch, und der Walliser «Dialekt» geht in seinem Ursprung sogar auf eine vor rund 1200 Jahren gesprochene Sprache, nämlich das Alt-Deutsche, zurück.

Der Verein «IG Binational»

In der IG Binational (Verein binationaler Partnerschaften und Familien) sind Menschen zusammengeschlossen, die in binationalen Partnerschaften leben und an einem «kosmopolitischen Zusammenleben in der Schweiz» (Zitat von der Website des Vereins) interessiert sind. Der Verein vertritt sowohl die Stimme der einheimischen als auch der zugewanderten Partner und Partnerinnen und hat damit eine duale Perspektive auf aktuelle gesellschaftliche Themen.

Bleibt der Hinweis, dass die «eigene» Sprache auch die Kultur prägt. Was nichts anderes heisst, als dass in den vielen bi-nationalen Ehen auch zum Teil ganz verschiedene Kulturen aufeinandertreffen: Höflichkeit und Unhöflichkeit, Gastlichkeit und Essens-Sitten, ganz zu schweigen von Religion und Weltanschauung. All das prägt «unsere Schweiz» in einer immer dynamischer werdenden Weise.

Die Erhebungen des Bundesamtes für Statistik sind eindeutig: Englisch ist faktisch die zweite Landessprache der Schweiz geworden.  Bild: Bundesamt für Statistik.

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