Der Schweizer Gewerbeverband SGV stellte am 4. November 2025 erstmals einen „KMU-Barometer“ vor, der sowohl die Stimmung als auch eine möglichst objektive Situation der Schweizer KMU wiedergeben sollte. Besondere Beachtung fanden dabei die Kantone Bern, Graubünden und Neuenburg, die in einzelnen Referaten und Themenschwerpunkten näher beleuchtet wurden.

Konkret: Im Kanton Bern

Die gute Nachricht zuerst: Den Berner KMUs scheint es gut zu gehen. Der Präsident der Berner KMU, der Emmentaler Holzbau-Unternehmer Ernst Kühni, unterstrich dies nachdrücklich: „Den Berner KMU geht es überwiegend gut, ja sehr gut“.

49% der Berner KMUs würden jedoch über Fachkräftemangel klagen. Das sei nur schwer zu beheben. Betroffen seien aber vor allem Betriebe mit über 11 Mitarbeitern, das sei eine auffallende Schwelle.

Und weiter würden neuerdings viele KMU KI einsetzen, vor allem in der Administration, im Verkauf und im Marketing. Weitgehend würde dies auch als Chance begriffen. Doch könne das „unternehmerisches Denken, Bauchgefühl und die persönliche Begegnung, vor allem mit den Kunden, nicht ersetzen“, unterstrich Kühni.

Im Bausektor – und dies ist Kühnis Kerngeschäft, das er mit 180 Mitarbeitern in Ramsei betreibt – habe sich jedoch bei den Baugenehmigungen leider eine „Null-Fehler-Mentalität“ eingeschlichen, die praktikable Lösungen oft verhindere. Und dann die Einsprachen, das habe er zu beklagen, die Einsprachen haben sich zu einem echten Hindernis entwickelt: „Einsprachen verteuern“, und natürlich verlangsamen sie auch, was oft gleichbedeutend ist.

Konkret: Neuenburg

Der Neuenburger Garagist und Vizepräsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV), Pierre Daniel Senn, gab tiefe Einblicke in seine Situation und die seiner Westschweizer Kollegen, die sich von Bern deutlich unterscheide. Generell mache er eine „erschwerte Situation der Schweizer Randregionen“ aus („une situation aggravée dans les rérgions périphériques de la Suisse“).

Sein eigenes Gewerbe leide vor allem unter Nachwuchsmangel, und im persönlichen Gespräch gab er zu bedenken, dass nur 11% als Neuenburger Garagisten Lernende ausbildeten. In seinem Betrieb mit rund 150 Beschäftigten seine es aber 25. Alles in allem seien es „schwierige Zeiten“ für die Garagisten.

Konkret: in Graubünden

Aus Graubündner Sicht sieht Maurus Blumenthal, Direktor der Bündner Gewerbe, vor allem die Raumplanung als grosse Herausforderung. Die Raumplanung hemme danach die Wertschöpfung, das über 30% der Bündner KMU so sehen. „Wohlstand kommt aus Wertschöpfung“, so Blumenthal.

Ein weiteres Drittel der Bündner KMU kann die dringend benötigten Fachkräfte wegen Wohnungsmangel nicht anstellen. Es gibt aber in Graubünden eine „Green Tech Initiative“, die versuche, Umweltschutz und Raumplanung zu verbinden. Darin sähe er eine Chance für den Bergkanton.

Die gesamtschweizerische Sicht

Zusammengefasst, so der Tenor des gesamten Vorstandes des SGV, sind die drei grossen Sorgenkinder der Schweizer KMU: Bürokratie, Fachkräftemangel und Raumplanung. Schweizweit hätte deshalb die KMU eine besorgte Sicht auf die Zukunft: Niemand sehe die heutige Situation als „besser“ als vor einem Jahr an, 42% der befragten KMU als „unverändert“, aber rund 52% geben, die unternehmerische Gesamtsituation als „schlechter“ als vor einem Jahr zu sehen.

Im Sorgenbereich „Raumplanung“ müsse man die Gesamtsituation sehen: nur 43% der Schweizer Gemeinden könnten überhaupt „verdichten“. Alle anderen hätten eher mit einer Fülle von Einsprachen und Einschränkungen, etwa wegen „Ortsbildschutz“ zu kämpfen.

Auf entschiedene Ablehnung des Schweizer Gewerbeverbandes stösst die Service Citoyens Initiative. Dies aus vier Hauptgründen: Schwächung der Armee, der Staat würde Konkurrent der KMU, sie belaste die Wirtschaft und verstärke den Fachkräftemangel.

Auch die JUSO-Initiative zur 50%-Besteuerung im Erbfall begüterter Familienunternehmen wurde abgelehnt. Dies mit deutlichen Worten: „Das hat uns gerade noch gefehlt!“. Fast alle KMUs befürchteten eine Bedrohung und Abwanderung der Familienunternehmen und eine Schädigung der Schweizer Wirtschaft.

Pierre Daniel Senn fügte dann im persönlichen Gespräch hinzu, seit dem Scheitern der Crédit Suisse sei der Zugang zu KMU-Krediten bei Banken erschwert, dies jedenfalls würden 36% der Befragten angeben.

Der Direktor des SGV, Urs Furrer, fasste dann am Ende in einer Art „Highlights“ zusammen; Gewerbe schafft Jobs, Regulierungen müssten zugunsten von mehr Produktivität abgebaut werden, die Juso-Initiative schade dem Gewerbe und die bestehenden Freihandelsabkommen (vor allem mit der EU) müssten mit „KMU-tauglichen“ Aktualisierungen überarbeitet werden.

Auf politischer Ebene wie auf unternehmerischer Ebene, so dann Direktor Furrer im persönlichen Gespräch, seien jedoch vor allem in den Grenzkantonen direkte Kooperationen mit den umliegenden (Bundes-)Ländern und Regionen an alle Grenzen möglich. So hätten besonders die deutschen Länder schon seit langen Sonderregelungen z.B. für die Ansiedlung Schweizer GmbHs in ihrem Staatsgebiet und Rechtsraum geschaffen, etwa seit 1986 in Bayern.

Den Schweizer KMUs geht es also nicht schlecht, aber sehr viele blicken mit Sorgen in die Zukunft.

Einige Bilder

Ernst Kühni, Präsident der Berner KMU und VR-Präsident der Kühni AG Ramsei. Bild: Martin Natterer

Pierre Daniel Senn, Vize-Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Bild: Martin Natterer

Urs Furrer, Direktor des Schweizer Gewerbeverbandes SGV. Bild: Martin Natterer

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